Kapitel 21 F225 Gefahr bei Schräglage

“Fregatte

Der Himmel ist Wolkenverhangen. Das Schiff hebt sich kaum vom grau der Umgebung ab. Draußen ist mittlerer Seegang. Wir sind in einem Sturmtief, welches sich laut Wetterbericht über dem ganzen nördlichen Atlantik ausgebreitet hat, hinein geraten. Am Morgen hatten wir dreimal Schräglage von 45°. Die Ansaugschächte für die Seewasser-Kühlpumpen sind bei dieser Gelegenheit an die Wasseroberfläche aus dem Wasser heraus gekommen Es wurde für einen Moment Luft angesaugt. Die Motoren wurden dadurch für Minuten zu heiß.
Bemerkung des STO`s: „Wenn das Schiff eine theoretisch mögliche Schräglage von 70° bekommt, sollten wir zu sehen, dass wir unsere Schwimmwesten ankriegen. Wahrscheinlich richtet sich der Dampfer dann nicht mehr auf.“ Mein Kommentar dazu: Witzbold.
Beide Frischwassererzeuger sind auch ausgefallen. Wasserzuteilung wurde verfügt. Duschen darf man nur noch mit Seewasser. Von der Heizerei sind inzwischen sechs Leute ausgefallen. Immer mehr Leute fühlen sich unwohl, Erkältungen, Rückenschmerzen, eben Grippe. Die Außentemperatur (im Moment nicht bekannt) fällt täglich.
Kam gerade über den Bordlautsprecher: Navigationsmeister hat ausgerechnet, dass wir erst Dienstag im Schwerpunkt dieses Tiefs sind. Draußen haben wir nun schon Windstärke zehn. Windgeschwindigkeit zweiundfünfzig Knoten. Das kann ja noch heiter werden.

Auf dem Atlantik, Montag den fünfzehnten März 1976.
Das Wetter hat sich gebessert. Die See hat sich beruhigt. Am Morgen haben wir ein schwimmendes Floß mit einem 1500 m langen Tampen in Schlepp genommen. Dieses Floß soll eine Wasserfontäne erzeugen. Diese Fontäne soll den anderen Schiffen als Ziel dienen. D.h. Es wird auf dieses Ding geschossen. Weiterhin bedeutet dies, dass darauf geballert wird. Wenn die anderen schlecht zielen, dann haben wir schlechte Karten. Vielleicht kriegen wir dann eine Ladung aufs Dach und saufen ab.
Kommandantendurchsage: „Für die Nacht ist schweres Wetter angesagt. Zurzeit haben wir vom achtern aufbäumenden Wind.
Das Wetter ist wieder diesig, Sichtweite eine Meile. Um das Schiff seefester zu machen müssen wir die achtern Trimmzellen auffüllen. Für die Trimmung vorne werden sie nun die vorhandenen Bierfässer vom Vorschiff zum Achterschiff bringen. Fassen sie das Ganze als Übung unter beschwerten Bedingungen auf.“ Soweit die Durchsage.
Achtzehnter März 1976
Die See ist immer noch aufgewühlt. Schlafen war letzte Nacht nur mit Schwierigkeiten verbunden. Immer wenn man gerade eingeschlafen war, machte das Schiff einen Sprung von gefühlten zehn bis fünfzehn Meter in die Tiefe. Oder war es doch etwas weniger? Die sicherste Art bei so einem Wetter zu knacken ist mit dem Rücken an die Kojenwand, ein Bein anwinkeln, z.B. das rechte und mit dem linken Arm über den Kopf greifen. An der anderen Seite festhalten.
Im Moment schlingert der Kahn wie wild hin und her. Das Betreten des Oberdecks ist wieder verboten. Die Außentemperatur beträgt noch vier Grad. Morgen gegen dreizehn Uhr wollen wir in Halifax einlaufen. Bei unserer Reisegeschwindigkeit von sechs Knoten bezweifele ich das.
Neunzehnter März1976
Die See hat sich beruhigt. Strahlender Sonnenschein. Neun Grad Minus. Das ganze Schiff ist mit einer zwei Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Wir haben mehrere Stunden Eis abgeschlagen.
Am Horizont kann man Land sehen. Brauner Fels erhebt sich in Silhouetten vom Horizont ab. Um sechzehn Uhr fünf haben wir in Halifax festgemacht. Weil dieses Jahr hier in Kanada die olympischen Spiele stattfinden, soll mit den Leuten vom Verband der Stanavforland ein Schwimmwettbewerb durchgeführt werden.

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