Kapitel 20 F225 “Los jagt ihn”

“Fregatte

Nächste Woche wollen sie hier das Fahren mit der Flotte üben. Es sind ca. siebzig Kriegsschiffe angekündigt worden. Das Manöver wird den Namen „Save Past 76“ haben. Sieben Schiffe sollen uns am Ende der Übung bis Halifax begleiten.
Bei Windstärke sechs bis sieben auf dem Atlantik, unter Manöverbedingungen, war das Leben an Bord nicht gerade das angenehmste. Der gerade im Tagebuch beschriebene Verband fuhr mit hoher Geschwindigkeit die Ostküste hinauf. Von Küste konnte man eigentlich nicht mehr sprechen, diese war dreihundert Seemeilen entfernt. Die Braunschweig umkreiste, wie beschrieben mit hoher Geschwindigkeit alle Schiffe. Ein „russisches Feindschiff“, in diesem Fall eine kanadische Korvette, hatte den Auftrag einen Flugzeugträger in der Mitte des Verbandes an zu greifen. Sie tauchte plötzlich aus dem Nichts auf und kam im neunzig Grad Winkel auf die Braunschweig zu gerast. „Himmel Arsch und Zwirn. Sofort Backbord beidrehen. Dieser verdammte „Russe“ will uns die Breitseite aufreißen. Maschinen volle Kraft voraus.“ Der Kapitän war außer sich. Die Korvette kam stumpf auf die Braunschweig zu gefahren. Sie machte keine Manöver um aus zu weichen. Die beiden Schiffe waren noch dreihundert Meter voneinander entfernt. Da fing die Korvette endlich an ab zu drehen. Aber es war schon zu spät. Die hohe Geschwindigkeit hatte zur Folge, dass sie mit ihrem Heck zwar noch rum kam, die Braunschweig aber noch knutschte. Der Turbinenansaugschacht und Geschütz drei, beides auf Steuerbordseite, wurden erheblich beschädigt. Die Besatzung hatte noch einmal Glück gehabt. Beschädigungen unter der Wasseroberkante waren nicht zu verzeichnen. Das Manöver wurde mit unverminderter Härte weitergeführt. Der IO meinte:“ In Wilhelmshaven müssen wir wohl rückwärts oder bei Nacht und Nebel einlaufen. Ist das peinlich.“
Als Jan nachts durch sein Schiff patrouillierte um seine Temperaturen, Drücke usw. zu notieren, machte er auch einen kleinen Abstecher über die Brücke. Unten erfuhr man ja sonst nicht, was oben so los war. ……„Sehen sie das meine Herren, dieser verdammte Russe. Da vorne ist er wieder. Der versucht doch schon wieder in den inneren Kreis rein zu kommen. Na warte Bürschchen. Heute Morgen hast du versucht mein Schiff zu versenken. Jetzt versenken wir dich. Los jagt ihn!“ Die ganze Brückencrew starrte gebannt auf das grünlich schimmernde Radar. Jan war oben am Treppengeländer stehen geblieben und traute seinen Ohren nicht. Die denken ja wohl das hier alles war ist. Mensch Leute, der ganze Scheiß hier ist eine Übung. Macht bloß kein Blödsinn, dachte er. Da die Brücke auf einem Kriegsschiff relativ dunkel ist, bemerkte ihn keiner. „Los, wir überholen ihn und fahren dann volle Pulle in seine Breitseite. Das Schwein versenken wir.“ Die Korvette hatte mitbekommen, dass sie verfolgt wurde. Urplötzlich wurde der Abstand zwischen den Schiffen größer. Der kanadische Kapitän hatte Lunte gerochen und ließ sein Schiff mit größter möglicher Geschwindigkeit eine große Rechtskurve fahren. Die Braunschweig war nicht mehr in der Lage zu folgen. „Dieses feige Schwein. Nun zieht der den Schwanz ein und verpisst sich. Ist wohl auch besser so, der wäre uns sonst beim Crash noch abgesoffen. Ha, ha, ha.”

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