Kapitel 17 F225 Seeigel sind harmlos

“Fregatte

Der Verband setzte seine Fahrt in Richtung New Orleans fort.
Der Doc riet allen mit dem Sonnenöl nicht zu sparen. Die Temperatur in den Decks der Braunschweig wurde immer unerträglicher. Die Klimageräte kamen gegen die hohe Luftfeuchtigkeit der Karibik nicht mehr an. Wer wach frei hatte war nur noch auf den ihm zugewiesenen Decks zu finden. Jan seine Heizerei hatte dieses
Deck hinter der Schornsteinschräge.

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Kapitän hat seine Flöte verloren. Wenn sie sich bis zum nächsten Hafen nicht wieder einfindet, dann kostet das unseren Landgang. Was bildet der sich bloß ein. Heute wollen wir durch die Floridastraße in den Golf von Mexiko einlaufen. Die ersten fliegenden Fische gesehen. An Oberdeck wird ein Swimmingpool aufgebaut. Um 18 Uhr konnte man Miami im Abendrot sehen. Man hat heute meine Pantryzeit noch einmal auf unbestimmte Zeit verlängert.
Heute fahren wir den Mississippi aufwärts. Dreckiges Wasser. Um 15 Uhr 9 am zehnten Februar legen wir im dreier – und zweier – Päckchen mitten in der Stadt an. Die haben von einer russischen Reederei einen Liegeplatz gemietet. Da die Russen den Platz am Wochenende selber brauchen hauen wir Samstagmorgen gegen fünf hier wieder ab. Dies wird die erste Stadt auf unserer Tour mit einem geilen Ambiente.

Am fünfzehnzehnten Februar befinden wir uns zwanzig Seemeilen nordwestlich von Kuba. Die Lufttemperatur beträgt 24°, die Wassertemperatur 23°. Aus Deutschland wird starker Schneefall und Eisglätte gemeldet. Aus den Lüftern kommt selbst bei Kaltstellung nur warme stickige Luft.
Donnerstag wollen wir Roosevelt Roads einen Marinestützpunkt auf Puerto Rico anlaufen. Freitag boxt Casus Clay in San Juan. Die gnädige Schiffsführung hat es tatsächlich geschafft Karten im Voraus zu besorgen.
Die Eintrittskarte mit Original Tagebuchtext:

2Am neunzehnten Februar 1976 auf Puerto Rico angelegt. Tagesdienstanzug für alle weiß. Erster Eindruck: azurblaues Wasser, hügelige Gegend, strahlender Sonnenschein, knallblauer Himmel. Die Pier ist wohl noch aus Columbus Zeiten! Nur Holzbohlen die zusammengenagelt sind. Aber schön ist es hier.
Der Verbands-Kommodore hatte eine Beach Party für den nächsten Tag angesetzt. Es gab frei essen und trinken (saufen). Jedes Schiff steuerte seinen Teil an Verpflegung bei. Zwischen diesen Gelagen wurden Strandspiele veranstaltet. z.B.: Die Mannschaften zogen einen hundert Meter langen Tampen über den Strand. Dreißig Leute in die eine Richtung, gegen dreißig Leute die zur anderen Seite zogen. Es gab eine Menge Gaudi.
Jan und seine Jungs hatten bald eine kleine Insel, ungefähr dreihundert Meter vom Strand entfernt, entdeckt. Man wollte doch zu gerne wissen was auf der Insel los war. Mit fünf Leuten schwammen sie dann auch rüber.
Ab hier wieder ein Ausschnitt aus Jans Tagebuch:
Der Landgang wurde an diesem Nachmittag zum Baden benutzt. Der Kommodore hatte zwar eine Strandparty angesetzt, wir sind aber gleich zu einer kleinen Insel rüber geschwommen. Einige meiner Kameraden und ich wollten die Insel „erobern.“ Im Wasser konnte man den Meeresboden erkennen, das Wasser war herrlich warm. 50 m vom Inselstrand wurde das Wasser wieder flacher und der erste von uns wollte an Land gehen. Er schrie auf: „Aua, au, HILFE“ und fiel ins Wasser zurück. Da alle anderen Zeitgleich auch Grundberührung hatten schrien sie auch alle um Hilfe und fielen hin. Nun sahen wir es alle. Kleine schwarze und dunkelgraue Seeigel lagen dicht an dicht am Meeresboden. Keine Chance irgendwie dazwischen zu treten. Die Stacheln bohrten sich in die Füße und bei jedem der hinfiel in die Handflächen. Innerhalb weniger Sekunden setzte eine lähmende Wirkung ein. Ich konnte meine Arme und Beine kaum noch bewegen. Wassertiefe vielleicht noch ein halber Meter. Auf allen vieren krochen wir durchs Wasser und die Seeigelstacheln setzen sich am ganzen Körper fest. Über mir schwappte das Wasser und Luft zu bekommen fiel mir immer schwerer. Gedanken jagten durch den Kopf. Die anderen sah ich nicht mehr obwohl sie nur einige Meter von mir entfernt waren. „Sollte das hier das Ende sein, verrecken im Wasser vor so `ner scheiß Insel“ dachte ich. Statt atmen nur noch Wasser schlucken. Meine Kräfte ließen nach und ich war dabei, dass Bewusstsein zu verlieren. Irgendeine Stimme hämmert in meinem Kopf „Du Idiot, bist gerade 20 und kommst nicht gegen so`n paar blöde Seeigel an. Mann, reiß dich zusammen. Los, weiter, 10 m noch dann hast du`s geschafft, LOS, KOPF ÜBER WASSER HALTEN; ATMEN, schlafen kannst du später!”!! Die kleinen Wellen umspielten noch den Bauch, der Kopf war außerhalb vom Wasser und es gab wieder Luft, lebenswichtige Luft zum Atmen. Meine Kameraden lagen nacheinander auch alle neben mir. Die Lähmungserscheinungen ließen nach einer Stunde nach und wir konnten auf der dem Land abgewandten Seite wieder zurückschwimmen, hier war die Strömung so groß, dass sich diese verfluchten Seeigel nicht am Grund halten konnten.
Als sie alle wieder an Land waren hatten sie ein großes Maul. „Klar sind da Seeigel. Da tritt man drauf und die Biester platzen auseinander. Müsst ihr auch mal rüber schwimmen.“ Von den schmerzenden Stacheln in der Haut sprach keiner. Da Jan auch eine von den Boxkampfkarten ergattert hatte ging es nach einem kleinen Drink schnell zum Schiff zurück. Duschen, umziehen, in einer Stunde sollte der Bus kommen. Der Kampf Clay gegen Coopman endete nach der siebenten Runde mit einem KO-Schlag. Clay hatte seinen Weltmeistertitel behalten.

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