Kapitel 15 F225 Ruderversager Keine Übung

“Fregatte

Entweder spät in der Nacht oder morgen früh laufen wir Hamilton, Hauptstadt der Bermudas an. Hier ist übrigens das berühmte Bermudadreieck zwischen New Orleans, Bahamas und den Bermudas. Auf diesem Stückchen Wasser verschwinden, so sagte man uns, manchmal Schiffe und Flugzeuge auf unerklärliche Weise. Das kann ja noch lustig werden. Die Wassertemperatur betrug heute 20°. Von Hamilton soll es dann nach Norfolk weiter gehen.

Hamilton war ein Provinzkaff. Ab ein Uhr Nachts hatten alle Landgänger schon ihren Horchposten auf der Matratze.

Frauen waren in den Kneipen nicht vertreten. Am zwanzigsten Januar wollte der Natoverband Richtung amerikanisches Festland auslaufen. Die Reihenfolge der Abfahrt war immer die gleiche. Die Amerikaner mit ihrem Zerstörer Coonts zuerst, dann die Kanadier, Engländer, Holländer und zum Schluss die Fregatte Braunschweig. Die größten zuerst, die kleineren Schiffe zum Schluss.

Alle, außer Fregatte Braunschweig, hatten schon das Hafenbecken verlassen und fuhren als Formation Richtung offene See. Eine hektische Durchsage auf der Braunschweig brachte den Abfahrtstermin total durcheinander.

„Ruderversager! Die Notruderbesatzung mit Beeilung in den Ruderraum. Dies ist keine Übung. Wir haben Ruderversager! Maschine volle Kraft rückwärts.“ Jan hechtete an Oberdeck und sah die Bescherung. Die Fregatte fuhr mit einem großen Halbkreis genau auf die gerade verlassene Pier zu. Die Notruderbesatzung bestand aus acht Leuten welche bei Ruderversager das Ruder über ein großes Handrad bedienen konnte. Die Drehrichtung wurde über Lautsprecher von der Brücke vorgegeben. Dreihundert Meter vor der Pier kam die Fregatte mit ihrem Heck endlich herum und fuhr wieder mit einem Halbkreis Richtung Hafenbecken. Der Umkehrschub der Schrauben kam nun auch zur Geltung, die Fregatte verlor an Fahrt. Ganz vorsichtig wurde sie an der kurz zuvor verlassenen Pier wieder angebunden.

Es stellte sich schnell heraus, dass eine Reparatur mit Bordmitteln nicht möglich war. Eine hydraulische Steuerungseinheit war direkt am Übergang zum Ruder abgerissen.

„Meine Herren, wir müssen noch einige Tage hier bleiben. Ein Monteur aus Deutschland kann frühestens morgen am späten Nachmittag hier mit dem Ersatzteil eintreffen. Teilen sie ihre Wachen so ein, dass jeder einmal in den Genuss eines etwas längeren Landgangs kommt. Wir sagen ihnen früh genug Bescheid wann es weiter geht. Der Verband fährt erst Mal ohne uns weiter Richtung Ostküste.“ Mit diesen Worten schloss die allgemeine Borddurchsage des Kapitäns. (Das war übrigens Konrad Ehrensberger, einige von Euch werden sich erinnern.) Jan freute sich. Wer konnte sich schon Urlaub auf den Bermudas erlauben. Er empfand die nächsten Tage als solchen. Nach Vier Tagen hatte der Monteur der Ruderanlage (er war speziell aus Deutschland eingeflogen worden) das Problem gelöst und die Braunschweig fuhr dem Natoverband am frühen Morgen hinterher.

Wir fahren als Piratenschiff. Draußen fetzt es wie blöde. In der Nacht hat es die Flaggen vorn und achtern runter gerissen. Vorn ist der Flaggenmast abgebrochen. Reling vom B-Deck ist abrasiert. Frischwassererzeuger ist verreckt. Scheiß Bermudadreieck. Soll leider zwei bis drei Tage beim Doc auf Station bleiben. Ist so eine Art Karantäne. Angeblich könnte ich die anderen anstecken. Habe mir so eine Durchfallerkrankung eingefangen.

Am Nachmittag dieses Tages hatte sich das Wetter wieder beruhigt und das Oberdeck durfte wieder betreten werden. Der Kapitän lud zu einer lockeren Musterung auf dem Achterschiff ein. “Wir hatten, wie sie mitbekommen haben, eine ganze Menge Trubel. Die Ruderanlage ist wieder in Ordnung, dafür ist einer von unseren zwei Frischwassererzeugern ausgefallen. Bis zum Festland müssen wir nun mit einem auskommen. Ich glaube die Amis können uns das schnell reparieren. Ach ja, ehe ich es vergesse, der Kommodore unseres Verbandes hat eben eine Kursänderung befohlen. Wir werden nicht nach Norfolk fahren um uns mit den anderen zu treffen sondern Charleston anlaufen. Alle Schiffe des Verbandes werden dort auch einlaufen. Dort bleiben wir für einige Tage. Wir werden fast täglich morgens raus fahren und abends wieder im Hafen sein. So, das war’s. IO lassen sie wegtreten.“ Jan bekam von dieser Musterung auf seiner Krankenstation nichts mit.

4 Gedanken zu „Kapitel 15 F225 Ruderversager Keine Übung“

  1. Die Sturmerprobungsfahrt war mein tiefgreifenstes Erlebnis auf der Braunschweig. Ein abgerissener Kutter, heruntergerissene Wabo`s, Rettunsinseln und ein dicker Riss im Schiffsaufbau (Alu)
    waren so das wenigste an was ich mich Erinnere. Man sollte eine Hand durch den Riß in Kpt. Ertel seiner Kammer stecken können. Die vielen Kameraden die wir zum Sani schleppen mußten wg. Seekrankheit. Die Werftmitarbeiter die die Sturmfahrt mit gebrochenen Messmitteln und Ihrer Seekrankheit begleiteten. Die zt. abgesoffene Vorpiek (das Wasser plätscherte bei den Kameraden direkt neben den Kojen. Millionen DM an Schäden nachdem aus dem Sturm ein Orkan wurde. Ich durfte das Spektakel als Kampfrudergänger miterleben. HG Matthias Wilhelm und einige andere gingen rund um die Uhr im Wechsel ans Ruder. Hinter uns war immer Kpt. Ertel im Dienst. Auch wenn er schlief war er im Dienst, wir mussten Ihn bei Schwierigkeiten wecken. Seine Ansprache von der vorbildlichen Arbeit die auf dieser Fahrt geleistet wurde bleibt mir für immer in Erinnerung. Weiteres und noch 3 Alben an vergilbten Fotos auf dem Crewtreffen. Ich freue mich schon drauf!

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