Kapitel 12 F225 Rückfahrt nach Schlicktown

“Fregatte

Die letzte Woche in Portland verging sehr schnell. Es wurden noch einige abschließende Manöver gefahren, mit dem Resultat dass die englischen Checker sehr zufrieden waren. Am späten Donnerstagnachmittag kamen folgende Befehle über den Bordlautsprecher: „Turbinenmeister mit Beeilung an die Turbinen. Turbinen startklar machen. Befehl an Maschine: Volle Fahrt voraus. Unsere Zeit in England ist vorbei und wir wollen schnell nach Wilhelmshaven zurück, zu Mutti.“ Diese Durchsage des Kapitäns löste einen allgemeinen Freudentaumel aus. Die Schrauben fingen an zu drehen und waren innerhalb weniger Minuten auf Höchstgeschwindigkeit. Die Turbinen waren inzwischen auch hochgefahren und wurden zur Antriebsverstärkung zu geschaltet. Diese Rückfahrt kostete richtig Steuergelder. Einige zehntausend Liter Diesel wurden pro Stunde verheizt. In Jans Deck (II Z2) war in dieser Nacht an Schlaf nicht zu denken. Da sich die Schrauben direkt darunter befanden war ein ohrenbetäubender Lärm hier die Folge von den schnellen Schraubendrehungen. Wer sich trotzdem ein wenig hinlegte, musste sich mit beiden Händen an der Kojenreling links und rechts festhalten um nicht durch die Vibrationen herausgeschüttelt zu werden. Mit den Füßen wurde das gleiche Manöver versucht.

Auf der Höhe von Norderney wurde das „Rennboot Braunschweig“ wieder zum normal fahrenden Schiff.
„Meine Herren, in zwei Stunden kommt die schwarze Gang vom Zoll an Bord. Füllen sie bitte die ihnen ausgehändigte Zollerklärung aus. Wenn sie etwas einführen was den Zollbestimmungen unterliegt, dann melden sie das. Und verstecken sie nichts Illegales. Die Schwarzen finden alles. Es ist übrigens Dienstfrei bis Montag für alle wachfreien wenn das Schiff alle Landanschlüsse hat. Sollten sie noch nach Hause fahren, dann seien sie vorsichtig. Im Wetterbericht haben wir gerade gehört, dass die Straßen vereist sein sollen.“ Nach dieser Durchsage konnte natürlich niemand mehr schlafen. Die Zollerklärungen wurden ausgefüllt und wirkliche Zollware an den bekannten Verstecken unter den Flurplatten deponiert. In diesem Fall war das meist in England gekaufter schottischer Whisky. Die Zollbeamten kamen an Bord, sammelten die Erklärungen ein, wünschten eine gute Heimreise und waren nach einer halben Stunde wieder mit ihrem Zollkreuzer verschwunden.

Als die Braunschweig an den Leinen hing dauerte es noch fünfzehn Minuten und alle Wasser. – Telefon. – und Stromleitungen waren angeschlossen. Normalerweise hatten die Elektriker an Bord dies zu machen. In dieser Nacht war es anders. Jeder, aber wirklich jeder packte mit an und zog die teilweise dicken Leitungen zu den jeweiligen Übergabestellen.
Gegen vier Uhr war Jan dann auch im heimischen Bett.

Weihnachten und Silvester 1975 vergingen ohne nennenswerte Ereignisse.

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