Kapitel 11 Bilgepumpe tauschen

“Fregatte

Die „Bloody Polly“, so hieß der Kutter, lag an der beschriebenen Stelle. Er musste früher einmal ein großer Fischkutter gewesen sein. Am Mast war noch die Haltevorrichtung für die Backbord – und Steuerbord Netze zu erkennen. Ein auf Pappe geschriebener Text an der Reling deutete darauf hin, dass an diesem Tag keine Touristenfahrten stattfinden würden. Überall an Oberdeck waren Bänke aufgestellt. Jan schätzte, dass wohl siebzig Personen befördert werden könnten. „Hallo Jan, wie geht es dir? Ich freue mich das du mich besuchst.“ „ Mir geht es gut, ich freue mich dich zu sehen.“ “Wir können heute nicht rausfahren. Irgendein Kutter hat mein Schiff letzte Nacht beim Anlegen gerammt. Es ist sehr viel Wasser in den Maschinenraum geschwappt. Zum Glück ist mein Schiff nicht unter gegangen. Würdest du mir helfen das Wasser aus dem Schiff zu kriegen?“ „Klar, kein Problem. Hast du eine Pumpe an Bord?“ „Nur eine kleine, damit ich zum Deck abspritzen Wasser aus der See holen kann. Wenn wir die anschließen, dann brauchen wir ein paar Tage zum Abpumpen.“ Jan überlegte. Eine tragbare Pumpe von Bord holen würde wahrscheinlich Probleme mit dem IO geben. „ Du Polly, ruf doch die Feuerwehr an. Die haben doch bestimmt die Möglichkeit das Wasser ab zu pumpen.“ Gesagt, getan. Der gerade geschilderte Dialog ging natürlich sehr viel langsamer wie man sich denken kann. Polly konnte kein Wort Deutsch und Jan fast nur englisch aus seinem Touristenwörterbuch. Nach der Schule hatte er nie Gelegenheit gehabt sich mit Engländern zu unterhalten.

Als die Feuerwehr eintraf hatten die beiden schon etliche Eimer Wasser aus dem Kutterinneren geholt. Der Rest war dann eine Sache von einer viertel Stunde. Die Hochleistungspumpe der Wehr schaffte achthundert Liter in der Minute.“ Sehen sie zu, dass sie ihr Schiff nach Weymouth in den Hafen bringen. Das Loch sollte geschlossen werden. Noch eine Nacht hier an der Seeseite und du säufst vielleicht ganz ab.“ Mit diesen Worten stieg der Leiter der Feuerwehr wieder zu seinen Kollegen in den Einsatzwagen.

„Während ich langsam Richtung Weymouth fahre, könntest du schon einmal die Bilge-Pumpe tauschen. Die alte hat einen nicht zu reparierenden Schaden. Würdest du das für mich machen?“ Eigentlich hatte sich Jan den Tag etwas anders vorgestellt. Vielleicht erst mit Polly frühstücken, dann ein wenig die Küste von See her anschauen. Nun saß er eingepfercht zwischen Rohren unterhalb der Flurplatten in der stinkenden Bilge und mühte sich ab die an gegammelten Schrauben dieser verdammten Bilge-Pumpe zu lösen. Polly hatte ihm noch einen Overall gegeben und war dann auf der Brücke verschwunden. „Scheiße, wieso muss ich immer solche Aufträge annehmen“, schimpfte er mit sich selbst. „Na, wenigstens das Werkzeug ist auf diesem Kahn in Ordnung.“ Die Elektrik der Pumpe war oberhalb der Flurplatten steckbar und so brauchte er nur das Kabel der alten Pumpe an die neue anschließen. Die neue Pumpe passte wie angegossen mit ihrem Flansch und den Rohranschlüssen auf die Pumpenkonsole. Als er total verschwitzt seinen Erfolg bei Polly meldete hatte diese gerade einen Poller an der Pier erreicht. „Wenn du schon einmal hier oben bist, dann mach noch eben die Leinen fest. Danach darfst du duschen.“ Wo bin ich hier nur gelandet, dachte Jan mal wieder und schmiss die Leinen über den Poller.

 

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