Kapitel 8 F225 Rick besorgt Guinness

“Fregatte

Noch einige Seemeilen entfernt konnte man die Steilküste von Südengland sehen. Jan registrierte weiße hohe Klippen. Die Spitzen waren in einen warmen roten Ton der aufgehenden Morgensonne gehüllt.

Die Engländer wollten keine Zeit verlieren und ließen sich vor der Küste mit einer Barkasse an Bord bringen. Bei einer Musterung erklärten sie den Ablauf der nächsten drei Wochen. Sie würden jeden Morgen um acht an Bord kommen. Dann würde man in den Kanal rausfahren und Manöver üben. Gegen sechzehn Uhr wäre man wieder im Hafen von Portland. Der IO fügte noch an, im Hafen wäre normale Bordroutine und alle wachfreien Leute hätten Ausgang bis zum Wecken.

Alles was sich die Besatzung in den letzten Monaten angeeignet hatte, Feuerbekämpfung, Personen retten, Helotransfer, Versorgung in See, im Konvoi mit anderen Schiffen fahren usw. wurde unter Prüfungsbedingungen geübt. Jan hatte für sich den Eindruck, dass die Besatzung gute Ergebnisse erzielte.

Abends ging er mit seinen Leuten in die nahen Hafenpubs. Um zweiundzwanzig Uhr war in diesen Pubs immer Sperrstunde. Die Zeit vom Feierabend an Bord bis dahin verging immer schnell. Ein Ginnes und noch ein Ginnes. Dieses schwarze englische Bier schmeckte erst wenn man einige Gläser intus hatte.

Donnerstag der ersten Woche hatte sich der Hauptgefreite Rick einige six packs von diesem Bier in einem Laden am Hafen besorgt. Jan und alle anderen aus dem Deck wurden dann von ihm eingeladen nach der Hafenzechtour noch ein kleines Abschlussbierchen im Deck zu trinken. Alle tranken auch noch eine Dose von diesem schwarzen Zeugs, konnten dann aber nichts mehr runterkriegen. „Brr, widerlich“, war der allgemeine Kommentar. Rick meinte, “das Bier ist nun hier, wer weiß was morgen ist. Wenn ihr nicht mehr mögt, dann trinke ich das alleine aus.“ Gegen Mitternacht hatte er seinen Vorsatz auch vollstreckt.

Noch in seinen Privatklamotten wollten ihn die anderen am nächsten Morgen wecken. „Los Rick, steh auf, du kriegst Ärger.” „Lasst mich in Ruhe. Weckt mich erst nach dem Frühstück. Ich muss noch etwas knacken.“ Und schon war er wieder im Reich der Träume. Kurz vor der morgendlichen Musterung versuchten sie es noch einmal. „Los steh endlich auf, die Engländer sind gleich da. In fünf Minuten ist Musterung.“ Biggert war gerade auf dem Weg zum Klo als er die Unruhe im Deck mitbekam. „Ich gebe ihnen den Befehl auf zu stehen. Sie haben von nun an eine Minute Zeit. Dann folgen Maßnahmen.“ Etwas leiser wandte er sich an den nächststehenden. „Los das tragbare Nebelhorn holen. Beeilung.” Rick war schon wieder eingeschlafen. „Hauptgefreiter Rick, letzte Warnung. Stehen sie sofort auf. In Zwei Minuten ist Musterung. Ich sorge persönlich dafür, dass sie dann oben sind. Also, aufstehen.“ „Fick dich ins Knie. Ich stehe nicht auf, Obermaat.“ Das Nebelhorn wurde direkt neben Ricks Koje in Position gebracht. Mit einer Handkurbel brachte man den Sirenemechanismus in Bewegung. Ein hochfrequenter, sich langsam an Intensität steigernder Ton ließ alle Anwesenden erstarren. „Stehen sie auf oder ich lass volle Pulle drehen?“ „Obermaat du bist ein Sadist ohne sondergleichen. Ich stehe auf. Ihr müsst mich aber stützen, alleine kann ich mich nicht auf den Beinen halten.“ „Na also, geht doch. Wer saufen kann, kann auch aufstehen. Alte Naviweisheit.“ Durch den Bordlautsprecher kam die Durchsage, dass die Musterung an diesem Morgen ausfällt. Als Rick wieder nüchtern war entschuldigte er sich bei Biggert.

 

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