Kapitel 7 F225 Angeordnete Seedusche

“Fregatte

Am sechsten Januar sollte es losgehen. Jan wusste, dass seine Tante Ingeborg und sein Onkel Herrmann, am fünften Januar Silberhochzeit hatten. Schon vorausplanend für dieses Familienfest reichte er noch am Nachmittag ein schriftliches Gesuch beim STO ein. Er bat darum vom fünften abends bis zum nächsten Morgen Ausgang zu bekommen. Grund: Silberhochzeit in der Verwandtschaft. Dem Gesuch wurde am vierten Januar dann auch stattgegeben. Vorher aber ging es wie angekündigt erst einmal für drei Wochen nach Portland.

Draußen tobten schon die Herbststürme als die Fregatte The Isle of Wight südlich passierte. Die Fregatte machte viele Schlingerbewegungen und das Betreten des Oberdecks war verboten. Biggert und die inzwischen schon zu Obergefreiten ernannten Rammers und Webau hatten in dieser Nacht Wache. Die Obergefreiten machten, wie immer geübt, jede Stunde ihre Runde durchs Schiff. Gegen drei Uhr kam ein Anruf von der Brücke. „Obermaat schicken sie ihre Leute aufs Achterschiff. Durch den Sturm hat sich eine Rettungsinsel aus der Halterung gelöst. Wir haben sie nun an der Leine im Schlepp. Durch die Seewassereinwirkung wurde der Blinkmechanismus aktiviert.“ Rammers und Jan legten sich ihre eigenen Schwimmwesten an und gingen zum Achterschiff. Die Fregatte kippte weit nach Steuer- und Backbord. Beim hinteren Steuerbordausgang öffneten sie den Schott. Wie auf Kriegsschiffen üblich, ging sofort die ganze Beleuchtung bei diesem Deck aus. Draußen war die Hölle los. Ein Brecher nach dem anderen rollte über das Achterschiff. Sehen konnte man draußen nichts. „Die können uns am Arsch lecken. Bei diesem Seegang gehen wir da nicht raus. Diese blöde Rettungsinsel können wir auch heute Morgen in Portland einholen. Komm wir gehen zu Biggert zurück“, rief Jan gegen das Sturmgetöse. Sie wollten gerade wieder das Schott zu ziehen als eine riesige Welle die Fregatte überrollte. Jan war mit seinen Armen draußen am Vorreiber des Schotts und wollte es zuziehen. Da wurde er vom Wasser erfasst und rausgerissen. Am hundert Millimeter Turm vorbei wurde er mit unbändiger Gewalt fort gerissen. Wenige Sekunden später ein abruptes Abbremsen an der Heckreling. Mit aller Kraft konnte er sich festhalten. Es dauerte unendlich lange bis ihn der Brecher wieder freigab. Schnell schnappte er nach Luft, da hörte er die nächsten Wassermassen heran rauschen. „Verflucht, verdammtes Wasser, bloß nicht los lassen. Du Musst ins Schiff zurück, irgendwie“, waren seine Gedanken.“ Den nächsten Brecher abwarten, dann zum Geschütz, dort an der Geschützreling festhalten und weiter zum Schott. Das könnte hin hauen“, noch einmal überdenken und dann los. Rammers hatte inzwischen die kleine Leuchte am Außenschott eingeschaltet. Immer wenn die See die Sicht für einige wenige Sekunden frei gab konnte Jan sie sehen. Er hangelte sich halb um das Geschütz, wartete den folgenden Brecher ab und suchte die Reling der Aufbauten. Noch zwei weitere schwere Brecher und er war wieder im Schiff. Mit letzter Kraft zogen Rammers und der inzwischen auch anwesende Biggert den Schott zu. Einige hundert Liter Seewasser schwappten zwischen Backbordseite und Steuerbordseite hin und her.

„Seid ihr da oben verrückt geworden? Verdammt noch mal. Macht das nicht noch einmal – meine Leute bei so einer See aufs Achterschiff zu jagen. Noch was, schickt mir sofort den Doktor her, mein Obergefreiter hat sich den Fuß verstaucht. Beeilung!“ Biggert hatte den STO angerufen und dieser hatte sofort nachdem er sich vor Ort informiert hatte die Brücke eingenordet. Der Schiffsarzt kam und versorgte die Schwellung. „Diese Nacht haben sie wach frei. Kommen sie heute Morgen ins Sprechzimmer. Wahrscheinlich ist dann alles wieder in Ordnung.“

Die Teufelssalbe des Doc zeigte ihre Wirkung. Der Fuß bekam einen Verband und Jan musste am nächsten Tag wieder am Dienst teilnehmen.

Ein Gedanke zu „Kapitel 7 F225 Angeordnete Seedusche“

  1. Das kenne ich!
    Bei der Sturmerprobung 83 hatte sich der kettenspanner gelöst und die kette schepperte mit immer mehr lose übers Deck.
    Da musten wir raus. Aber mit Lifeline und vorherigem aufbau der Sturmleinen.
    Frag mal Roland .

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