“Fregatte

Kapitel 30 F225 Antennenkabel

Die Verlegung der Antenne für dieses Radio, dass wäre eine eigene Geschichte, erspar ich uns. Dieser Satz, ihr erinnert euch, ist in der vorigen Geschichte gefallen. Habe ich mir nun anders überlegt. Wie haben wir es geschafft, ein Antennenkabel nach 2ZII zu verlegen? Die ganze Aktion lief in einer Nachtschicht, also von Null bis vier Uhr morgens. Alle haben mitgemacht. Als erstes haben wir einmal die Lüfterkanäle ein wenig auseinandergeschraubt und dann ein Band eingezogen was oben beim Luftansaugschacht, der war übrigens bei den Decksaufbauten hinter dem 100 mm Turm, wieder rauskam. Antennenkabel angebunden wieder runterziehen bis ins Deck und versteckt verlegen. Anschluss ans Radio und fast fertig. Oben noch eine Miniantenne beim Luftansauchschacht für die allgemeine Luftversorgung angebracht. Ihr könnt euch vielleicht erinnern, die Luftansaugschächte für die Luftversorgung an Bord hatten bei Lufteintritt Lamellen, die nach unten zeigten. Unterhalb einer Lamelle haben wir diese Antenne angebracht,war professionell, nur es durfte ja niemand sehen. So hatten wir Radioempfang im Deck. Aber beim Klaubautermann, wie das denn so ist, unser STO (Schiffstechnischer Offizier) hatte eine Reinschiffabnahme abzunehmen. Es war Abends und da spielte natürlich auch gerade das Radio.
Er fragte, „wie kriegt ihr denn hier Radioempfang“? Es dauerte nicht lange, da hatte er das Radio mit dem Antennenanschluß gefunden. Unter seiner Aufsicht mussten wir das Antennenkabel sofort wieder deinstallieren. Denn, so seine Argumentation, „Wir sind ein Kriegsschiff, und eine Empfangsantenne kann auch als Sendeantenne verwendet werden. Ausbauen“!
Natürlich haben wir bei der Deinstallation darauf geachtet dass wir einen Tampen am unteren Ende wieder angebunden haben. Also, das Antennenkabel rausgezogen und gleichzeitig den Tampen wieder in den Lüftungskanälen nach oben gezogen. Für den STO war die Angelegenheit damit erledigt. Er hatte nicht mitbekommen, dass wir schon wieder eine Notinstallation vorbereitet hatten. In der nächsten Nachtschicht haben wir den Tampen unten im Deck wieder vorsichtig rausgezogen und oben oben wieder ein Antennenkabel angebunden und die ganze Anlage wieder in Betrieb genommen. Hat danach auch keiner mehr von den Vorgesetzten mitbekommen dass wir immer in Hafennähe Musikempfang hatten. Ich muss sagen das war eine richtig gelungene Aktion. Wahrscheinlich ist die verbotene Antennenleitung danach nie gefunden worden.

Kapitel 30 F225 Love to Love You Baby

Love to Love You Baby, technische Erklärung, nicht lessen, versteht keiner
1976 waren wir mit der Fregatte Braunschweig (F225) im Natoverband „Standing Navel Force Atlantic“, auf dem Atlantik unterwegs. Wir haben den Hit: „Love to Love You Baby“, von Donna Summer, noch einige Seemeilen vom amerikanischen Festland entfernt, schon über das Bordradio gehört. In der Langversion von ungefähr 18 Minuten. Die allgemeine Meinung bei uns im Deck (IIZ2) war, den Song müssen wir haben. Nur wie? An Land haben wir erst einmal eine Kassette von Love to Love You Baby (die Langversion) gekauft. Einer von uns hatte ein Stereo-Radio mit Kassetteneinschub im Deck, nicht sichtbar in einem Schuhspind eingebaut, denn es war verboten private Radios an Bord zu haben. (Die Verlegung der Antenne für dieses Radio, dass wäre eine eigene Geschichte, erspar ich uns). Anhören konnten wir „unseren“ Song nun schon mal. Nur wie kopieren? In unserem Deck haben wir dann noch zwei Monokassettenrecorder aufgetrieben, die auch illegal an Bord waren. Es wurde nun eine Verkabelung gebastelt, die so aussah: Vom Stereoradio wurde Kanal 1 auf Kassettenrecorder 1 umgeleitet und Kanal 2 auf Recorder 2. Bis hier ist das alles noch verständlich. Nur, wir wollten natürlich alle den Song in Stereo haben. Also, das ganze wieder rückwärts. Kanal 1 und 2 von den Monorecordern abspielen und mit dem Stereorecorder wieder gleichzeitig auf einer leeren Kassette aufnehmen. Diese Aktion hat auch funktioniert, Love to Love You Baby wurde für unser Empfinden sogar absolut verbessert. Das kam so: Für das Stereoradio hatten wir uns schon vorher vom Sannitätsbereich eine 230 Volt Wechselspannungsleitung gelegt, (es gab da einen Verteiler in der Nähe von unserem Deck, offiziell für unseren selbst gekauften Kühlschrank, mit 50 Hertz. Die Jungs hatten diese Spannung, weil die medizinischen Geräte nur mit 50 Hertz liefen. An Bord sind nämlich normalerweise 60 Hertz. Die beiden Monorecorder betrieben wir mit unserer Decksspannung von 115 Volt/ 60 Hertz. Durch die 60 Hertz sind die Monorecorder ungefähr 20% schneller gelaufen. Einer lief trotz der 60 Hertz vielleicht 15% schneller. Der sich einstellende Effekt war, Kanal 1 zeichnete normal auf, nur eben 20% schneller als der original Song und Kanal 2 wurde beim Abspielen von Kanal 1 überholt. Das klang super gut. Nach etlichen Stunden hatte jeder die „verbesserte“ Version auf seiner Kassette. Es wäre wohl einfacher gewesen, wenn wir uns alle eine Original-Kassette gekauft hätten. Leider ist meine Kassette irgendwann an Land in einer Pütz gelandet

Kapitel 29 F225 Letzter Job auf der Braunschweig

Die nächsten Wochen an Bord vergingen sehr schnell. Jan hatte seinen Jahresurlaub genommen. Dann waren noch zwei harmlose Tagesübungen auf der Nordsee zu absolvieren. Am letzten Tag seiner Marinezeit sollte das Schiff nach Bremerhaven fahren. Auf einer Werft war eine Grundüberholung eingeplant. Am Tag zuvor waren noch alle abgehenden Mannschafts-Dienstgrade zum Hauptgefreiten ernannt worden.

Der Hafen war schon in Sichtweite. Das Lotsenboot kam langsam an der Backbordseite heran. Jan freute sich, noch drei Stunden und dann endlich wieder Zivilist sein dürfen. In diesem Augenblick hatte das Lotsenboot einen kleinen Knutschunfall mit der Braunschweig. Dies hatte zur Folge, dass Wassereinbruch in Jans Deck kam. Nicht viel, aber genug, um Jan und seine Kameraden noch einmal aktiv werden zu lassen. Hier war nichts wie bei den Übungen, Leckpfropfen holen, in die Simultanleckstelle hauen und OK. Nein, wenn schon Wassereinbruch dann auch richtig. Da wo das Wasser rein kam, waren Schuhschränke vorgebaut. Blechschränke die am Schiffskörper fest genietet waren. „Beim Klabautermann, warum haben die da oben nicht aufgepasst? Da denkste du hast hier gleich Feierabend und dann son Schlamassel. Verdammt.“ Jan und seine Kameraden versuchten mit einer Brechstange die Schränke aus der Verankerung zu lösen. Als sie endlich Erfolg hatte und die Leckstelle freigelegt hatten kam Biggert ins Deck. „Lasst mal gut sein, wir sind schon im Dock. Die pumpen gleich das Wasser ab, dann sollen die Werftarbeiter das Loch flicken. Webau, das war dein letzter Job hier auf dem Schiff. Komm lass uns noch ein bisschen klönen. Wenn das Schiff gleich draußen trocken ist, bist du wieder Zivilist.“

               Zivilist, endlich. Mit zehn anderen erreichte Jan das Werfttor. Sie wollten alle schnell zum Bahnhof. Nur weg hier. Taxis warteten schon.

Kapitel 28 F225 Algenbefall an der Braunschweig

„Ich habe mich entschlossen das Schiff auf Algenbefall zu untersuchen. Ich werde sofort eine Inspektion vornehmen. Hauptgefreiter Rick, ich habe gesprochen, hicks.“

Die Bordlautsprecher knackten und es war einen Moment totenstill im ganzen Schiff. Im nächsten Augenblick kam die nächste Durchsage: „ Falls noch Taucher an Bord sind, sofort Ausrüstung anlegen. Einer der Kameraden ist gerade besoffen Außenbords gesprungen. Wir müssen ihn rausholen. Beeilung.“ Die letzte Durchsage kam vom Kaleu. Einer der verbliebenen Maate und der Kaleu zogen sich blitzschnell die Taucherausrüstungen an und sprangen ins Hafenbecken. Die restlichen Leute ließen das Rettungsboot zu Wasser. Weil dies in den letzten Wochen immer wieder geübt worden war klappte diese Aktion wie am Schnürchen. Es vergingen unendlich lange Minuten der Ungewissheit. Dann Endlich kamen die drei Taucher wieder an die Oberfläche. Rick hatte bei seinem Sprung ins Wasser seinen Beatmungsschlauch abgerissen und war wie ein Stein unter das Schiff gesackt. Zu seinem Glück war an diesem Abend keine Strömung im Hafenbecken. Mit vereinten Kräften hievten sie Rick ins Boot. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Als er Tage später wieder an Bord war, ihm war nichts passiert, degradierte ihn der Alte zum Matrosen.

„Bei ihnen ist ja wohl dauernd was los. Erst das Schiff fast umkippen, dann will einer Algen suchen. Ich lobe sie trotzdem. Der Rettungseinsatz vorhin hat vorbildlich geklappt. Das werde ich wohlwollend im Bordbuch vermerken. Ich habe mir gedacht auf die Schrecken der letzten Stunden lade ich sie alle zu einem Abendbrot in der Cafeteria ein. Lassen sie es sich schmecken.“ Mit diesen Worten leitete der Kaleu das wohlverdiente Abendessen ein.

 

Kapitel 27 F225 Frischwasser lenzen

Wilhelmshaven ,Samstag den 8. Mai 1976

11 Uhr auf Reede, Zollerklärungen. 13 Uhr 30 an der Muni-Pier festgemacht. Eltern sind zur Begrüßung gekommen. Der Schreiber hat Wochenendwache. Die Stanavforland 76 ist für die Besatzung der Braunschweig zu Ende.

Das war der letzte Eintrag im Tagebuch von Jan. Wie gerade erwähnt hatte er Wochenendwache. Mit einigen anderen Kameraden teilte er das Schicksal nach der langen Fahrt diesen Samstag und Sonntag nicht von Bord zu dürfen.

Ein Kapitänleutnant von einer anderen Fregatte hatte sich bereit erklärt den Job des Wachhabenden für diese Tage zu übernehmen. „Sie haben eine anstrengende Fahrt hinter sich, wir werden nur das nötigste an Bord erledigen. Montag können dann alle mit anfassen, das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen.“ Jan bekam die Aufgabe alle noch vorhandenen Frischwasserreserven in den Bach zu lenzen.

Ungefähr dreihundert Meter von der Fregatte entfernt waren einige Telefonzellen. (Für die jüngeren Leser: Telefonzellen, das waren die gelben Kästen im Hafen, wo man telefonieren konnte.) Jan hatte sich vom Kaleu die Erlaubnis für ein kurzes Telefonat geben lassen. „Du“, sein Vater war am anderen Ende der Leitung, “ ich muss ganz schnell beenden, ich glaube mein Dampfer kippt um.“ „Wie bitte?“ „Ich kann den Dampfer von hier sehen, er hat eine verdammte Schräglage bekommen. Tschüs.“ Im Laufschritt rannte er zur Fregatte zurück. Runter in den Maschinenraum. Der Kaleu kam ihm schon entgegen. „Herr Obergefreiter, sie haben das Schiff einseitig gelenzt. Dadurch ist diese Schräglage entstanden. Ich habe die Schieber auf der anderen Seite auch geöffnet, wir müssten gleich wieder Normallage bekommen.“ „Vielen Dank Herr Kaleu. Der von mir gemachte Fehler wird nicht mehr vorkommen.“ „Ist schon OK. Wenn sie das nächste Mal die Pumpen anschmeißen, dann achten sie darauf, dass sie das Schiff gleichmäßig entleeren. Sonst stimmt die ganze Trimmung nicht mehr.“ Das hätte auch ins Auge gehen können dachte Jan und freute sich über den toleranten Kaleu.

 

Kapitel 26 F225 Natoparty in Lissabon

In den Häfen, die der Verband anlief, wurden die Schiffe immer mit einer Lichterkette geschmückt. Diese Kette ging vom Bug über den Brückenmast bis zum tiefsten Punkt des Achterschiffes. Lissabon bildete hier natürlich keine Ausnahme. Die fünf Schiffe fuhren hintereinander vom Atlantik kommend Richtung Hafen. Von der Fregatte Braunschweig aus konnte man erkennen das alle schon dabei waren ihre Lichterketten auf zu ziehen.

„Frage Herr Kapitän: Dürfen wir unsere Kette auch schon installieren?“ Biggert hatte den Mut aufgebracht den übers Schiff laufenden Alten anzuquatschen. „Obermaat, diese Frage können sie sich selber beantworten. Wir repräsentativeren hier Deutschland. Wir werden hier in erster Geige an Oberdeck stehen und warten bis wir festgemacht haben. Wenn das alles erledigt ist, dann dürfen sie mit ihren Leuten den Lichterschmuck anlegen. Damit sie ein wenig Zeit rausschinden können, sei ihnen erlaubt unter Deck im Blaumann zu warten. Wegtreten.“ Jan und seine Kameraden waren sauer. An ihnen blieb es immer hängen diese blöden Ketten zu installieren. Wenn es gut lief, dann war in eineinhalb Stunden alles erledigt. In anderen Häfen war ihnen dieser Umstand bisher immer egal gewesen. Hier in Lissabon war es anders. Gerade hatte der Alte über Bordlautsprecher durchgegeben:

„Gegen 10 laufen wir ein. Teilen sie die Wachen so auf, dass jeder einige Stunden Landgang bekommt. Heute Abend haben wir Natoparty an Bord. Alle Kommandanten und Offiziere der anderen Schiffe kommen zu uns um ein wenig zu feiern. D.h.: Das Achterschiff wird im Laufe des Tages mit Sonnensegeln bespannt werden. Heute Abend laufen wir gegen zweiundzwanzig Uhr wieder aus. Und zwar alleine. Der Grund dafür liegt bei den Holländern. Die haben morgen einen Feiertag. Sie feiern die Befreiung von den Deutschen am fünften Mai 1945. Die wollen das groß feiern. Aber nicht mit uns. Das wäre ja noch schöner – eine Schmach wäre das für uns. Wir haben beim Verteidigungsministerium nachgefragt, wie wir uns verhalten sollen. Georg Leber selbst hat entschieden, dass wir einen Maschinenschaden (Heizergruß)

3Quelle Foto: fregatte-braunschweig.info/2015/09/03/heizergruss/ von Roland Berghorn

vortäuschen sollen. Dieser Schaden ist leider nur in Wilhelmshaven zu reparieren. Ha, ha. Also meine Herren, wundern sie sich nicht wenn wir beim Einlaufen gleich verdammt viel schwarzen Rauch aus dem Schornstein blasen. Der STO hat eine kleine Manipulation an den Dieseleinspritzungen vornehmen lassen. Offiziell verreckt uns dadurch gleich eine Maschine. Inoffiziell verpissen wir uns dadurch heute Abend. Meine Herren, das war`s. Genießen sie die paar Stunden Landaufenthalt.“

„Wo bin ich hier nur gelandet“, dachte Jan.

Gegen einundzwanzig Uhr dreißig kamen Lusches, Jürgen, Jan und einige andere von Land zurück. Sie waren die ausgeguckten Elektriker welche die Lichterkette mit demontieren sollten. Lissabon war ja ganz schön, aber da sie nur einige Stunden Zeit hatten sich die Schönheiten an zu schauen, hatten sie nur einige schöne Kneipen in der Nähe des Hafens besucht.

Die Natoparty war noch in vollem Gang. Von allen Schiffen waren alle hohen Dienstgrade komplett vertreten. Die Mannschaften waren wie immer bei solchen Anlässen in der Minderheit.

Im Längsgang war auf zehn Meter Länge eine Brettablage aufgestellt worden. Alle Offiziere hatten ihre Kopfbedeckung hier abgelegt. Jürgen wollte gerade, wie alle anderen, ins Deck runter hetzen um sich in den Blaumann zu schmeißen als er die mit dicken Goldrändern verzierten Mützen sah. „Ich will auch mal Offizier sein. Jungs seht her, diese passt mir besonders gut.“ Ehe die anderen eingreifen konnten hatte sich Jürgen die Mütze mit den dicksten Streifen aufgesetzt. Die Mütze war natürlich viel zu groß und rutschte ihm weit über die Stirn. „Mensch Jürgen mach kein Scheiß, das kostet dich etliche Wochenenden Landgangsperre. Leg die Mütze wieder hin und zieh dich um. Wir müssen gleich malochen“, rief Jan noch. Aber zu spät. Jürgen war schon unter den Partygästen. Im Längsgang bekamen die anderen noch mit, dass der allgemeine small talk verstummte. Sie hörten wie Jürgen rief:“ Stillgestanden meine Herren. Ich werde eine Rede halten.“ „Herr Obergefreiter, sehen sie zu, dass sie hier verschwinden. Nehmen sie die Mütze ab. Morgen früh melden sie sich bei mir auf der Stube. Wegtreten.“ Das waren eindeutige Worte vom IO. Etwas verstört kam Jürgen wieder bei den anderen an. „Mann Jürgen, wenn du schon gerne mal Offizier sein möchtest, dann hättest du dir doch eine andere Mütze nehmen können. Die, welche du gerade auf hattest, das ist die Mütze des Oberkommandierenden der Nato im Nordatlantik. Der Macker ist heute Abend auch hier an Bord.“ Ist mir scheiß egal. War ein geiles Gefühl mit dem alten Schinken auf dem Kopf.“

Die Party ging statt um zweiundzwanzig Uhr, erst eine Stunde später zu Ende. Als der letzte Gast von Bord war wurde in Windeseile der Lampenschmuck demontiert. Eine Minute vor Mitternacht legte die Braunschweig mit Kurs Wilhelmshaven ab. Die Showeinlage am Morgen mit dem qualmenden Schornstein hatten ja alle anderen mit bekommen. Der Kommodore des Geschwaders hatte noch seine besten Heimfahrtgrüße ausrichten lassen. Spätestens in einigen Tagen würde man sich in Wilhelmshaven auf seinem Schiff wieder sehen und dann dort eine Natoparty feiern.

 

Kapitel 24 F225 Angriff im Tiefflug

Sechsundzwanzigster April 1976, Tagebucheintrag

Um 18 Uhr wird die Dany von einem Torpedo, abgefeuert von einem U-Boot, aufs Korn genommen. Wir kriegen den Job, dieses scheiß U-Boot unschädlich zu machen….. War natürlich nur `ne Übung.

 

So, der Ernstfall ist eingetreten. Ein amerikanisches U-Boot hat eine rote Leuchtrakete abgeschossen. Es kann nicht auftauchen. Niemand weiß wo dieses Boot herkommt. Wir dürfen nicht mehr Außenbords lenzen. (pumpen) Um 22 Uhr 30 wurde das U-Boot noch nicht geortet.

Zwei Tage später hat sich das Boot als amerikanisches Atom-U-Boot zu erkennen gegeben. Die Jungs haben versehentlich eine Notrakete abgeschossen.

Neunundzwanzigster April 1976

Gestern Abend um halb 11 haben wir Gibraltar passiert. Auf Steuerbordseite konnte man den Lichterschein eines afrikanischen Städtchens sehen. Geile Aussicht, links ist Europa, rechts Afrika. Wir gehörten für 6 Stunden der 6. Amerikanischen Flotte an.

Inzwischen sind wir auf dem direkten Weg nach Lissabon.

Beobachtung an Oberdeck: zwei Düsenjäger kamen im Tiefflug angerauscht. Bin dabei fast in den Bach gefallen. Stand an die Außenwand gelehnt, über mir die Brücke, von niemanden einsehbar. Wollte nur einige Minuten im Stehen knacken. Die blöden Hunde kamen wie gesagt, im

2Tiefflug von hinten angerauscht.

Habe sie erst registriert als sie 50 m neben mir in gleicher Höhe vorbei flogen. Mit einer Affengeschwindigkeit. Konnte mich gerade noch an der Reling festhalten. Weil auf diesem Schiff alles eine Übung ist, wurden die Jets auch zur Übung. Als man sie auf dem Radar entdeckte, versuchte man verzweifelt dieselben auf die Kimme zu nehmen. Als die Geschütze endlich besetzt waren, konnte man von den Jägern nichts mehr sehen. Im Ernstfall hätten die uns einen beigepult. Eventuell laufen wir morgen in Lissabon ein.

 

Kapitel 23 F225 Kommodore kommt an Bord

Jürgen, Lusches und Jan hatten für eins der Hafenwochenenden in Halifax eine Rundfahrt für einige Leute der Heizerei organisiert. Man wollte einige Tage Urlaub nehmen und sich die Schönheiten der Landschaft anschauen. Von der Schiffsführung kam das OK und so ging es am Freitag mit los. Lusches hatte einen LKW-Führerschein und der Busvermieter akzeptierte ihn als Busführerschein.
Es ging Richtung Norden, auf der Halbinsel von Nova Scotia, rein in die unendlichen Wälder Kanadas. Lusches freute sich über den zwanzig Personen Bus. Bei seinen bisher gefahrenen Lkws hatte er noch nie eine funktionierende Lenkhilfe gehabt.
Übernachtet wurde zweimal in einem Motel. Für viele das erste Mal wieder, seit Wilhelmshaven, in einem bequemen Bett zu schlafen.
“Mensch Jan steh` endlich auf, gleich kriegen wir kein Frühstück mehr. Es ist schon acht Uhr“, rief Lusches.“ Seit einer halben Stunde versuch ich dich wach zu kriegen.“ Halifax ging vorüber und der Verband fuhr wieder Richtung Europa.
Ostermontag auf dem Atlantik, 19.4.1976.
Sonntagsroutine, mal kein Helotransfer, kein Arbeitsdienst. Ein Frischwassererzeuger ist wieder ausgefallen. Wir dürfen mal wieder nur mit Seewasser duschen. Das Schiff trägt uns weiter nach Osten. Die Sonne scheint und die See ist ein wenig bewegt. Am Abend wurde das Hauptdeck gesperrt. Wenn das schaukeln zunimmt, haben wir wieder eine unruhige Nacht mit wenig Schlaf vor uns. Donnerstag wollen wir auf den Versorger Emsland treffen.
Einundzwanzigster April 1976, Tagesablauf heute:
0 Uhr 10 in die Koje,
3 Uhr zwanzig wecken,
4-8 Uhr Wache,
8- 8 Uhr 45 Frühstück,
8 Uhr 45 – 9 Uhr 30 Reinschiff,
9 Uhr 30 – 11 Uhr 30 Arbeitsdienst,
11 Uhr 30 – 13 Uhr 30 Mittag,
13 Uhr 30 – 17 Uhr Arbeitsdienst, zwischendurch von 16- 18 Uhr Wache,
18 Uhr -18 Uhr 45 Abendbrot,
18 Uhr 45 -19 Uhr 45 Reinschiff,
19 Uhr 45 -23 Uhr 30 versucht etwas zu knacken, war nicht möglich weil wir eine Sauffete im Deck hatten,
ab 23 Uhr 30 warten auf 0 Uhr,
0 Uhr – 4 Uhr Wache, wecken wieder um 7 Uhr 30. Und das jeden Tag. Ob man da wohl von kaputt geht? Mann bin ich müde.
Zweiundzwanzigster April 1976
Gegen 8 kam der Kommodore per Boot an Bord. Um viertel vor 9 hatten wir den ersten Sichtkontakt mit der Emsland. Um 9 Uhr war wieder ein Helotransfer. Mittag wahrscheinlich Highline. (Versorgung in See) Um 15 Uhr Übung Mann über Bord. Weil`s eine Übung war gleich zweimal. Zur Übung wurde um viertel vor vier an drei Stellen gleichzeitig Feueralarm ausgelöst. Der Kommodore, ein Mann mit vielen dicken Goldstreifen auf der Schulter, hat sich von den Übungen beeindrucken lassen und verlässt das Schiff. Wir von der Schiffssicherung haben bei diesem Manöver voll in den Brechern gestanden, welche über die Schanz rollten. Scheißegal, brauchen wir wenigsten nicht mehr mit Seewasser duschen.

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Kapitel 22 F225 Olympia in Halifax

Jan hatte sich auch zu diesem olympischen Schwimmwettkampf angemeldet. Das Training war für die nächsten Tage immer um elf Uhr angesetzt. Der Kommodore des Natoverbandes hatte eine Schwimmhalle am Rande des Hafens jeden Tag für einige Stunden chartern lassen. Die Schwimmer der einzelnen Schiffe konnten in mehreren Becken gleichzeitig üben. Die Leute von der Fregatte Braunschweig durften nur in der zweiten Ausgehuniform mit einem kleinen Rucksack zur Schwimmhalle marschieren. „Links zwo drei vier“ war immer der monotone Satz von Biggert. Die Gruppe von fünfzehn Schwimmern marschierte im feinsten Paradeschritt durch den Hafen. Wieder einmal dachte Jan: wo bist du hier nur gelandet. Laut johlend wurden sie dann immer von den Crews der anderen Schiffe überholt. Diese hatten ihre privaten Sportklamotten an und rannten zwanglos zu ihrer Übungsstätte. „Hello sailors, lase you only time with that march, we practice already for our first place.“ Als die deutschen dann endlich eine viertel Stunde später im Umkleideraum des Bades ankamen, tobten die anderen schon im Wasser und spielten Wasserball zum „Aufwärmen“. Es kam am Ende wie es kommen musste. Der „olympische“ Wettkampf am Ende der Trainingswochen ging so aus, dass die Braunschweiger den fünften Platz bekamen. Immerhin den fünften von fünf möglichen.

 

 

Kapitel 21 F225 Gefahr bei Schräglage

Der Himmel ist Wolkenverhangen. Das Schiff hebt sich kaum vom grau der Umgebung ab. Draußen ist mittlerer Seegang. Wir sind in einem Sturmtief, welches sich laut Wetterbericht über dem ganzen nördlichen Atlantik ausgebreitet hat, hinein geraten. Am Morgen hatten wir dreimal Schräglage von 45°. Die Ansaugschächte für die Seewasser-Kühlpumpen sind bei dieser Gelegenheit an die Wasseroberfläche aus dem Wasser heraus gekommen Es wurde für einen Moment Luft angesaugt. Die Motoren wurden dadurch für Minuten zu heiß.
Bemerkung des STO`s: „Wenn das Schiff eine theoretisch mögliche Schräglage von 70° bekommt, sollten wir zu sehen, dass wir unsere Schwimmwesten ankriegen. Wahrscheinlich richtet sich der Dampfer dann nicht mehr auf.“ Mein Kommentar dazu: Witzbold.
Beide Frischwassererzeuger sind auch ausgefallen. Wasserzuteilung wurde verfügt. Duschen darf man nur noch mit Seewasser. Von der Heizerei sind inzwischen sechs Leute ausgefallen. Immer mehr Leute fühlen sich unwohl, Erkältungen, Rückenschmerzen, eben Grippe. Die Außentemperatur (im Moment nicht bekannt) fällt täglich.
Kam gerade über den Bordlautsprecher: Navigationsmeister hat ausgerechnet, dass wir erst Dienstag im Schwerpunkt dieses Tiefs sind. Draußen haben wir nun schon Windstärke zehn. Windgeschwindigkeit zweiundfünfzig Knoten. Das kann ja noch heiter werden.

Auf dem Atlantik, Montag den fünfzehnten März 1976.
Das Wetter hat sich gebessert. Die See hat sich beruhigt. Am Morgen haben wir ein schwimmendes Floß mit einem 1500 m langen Tampen in Schlepp genommen. Dieses Floß soll eine Wasserfontäne erzeugen. Diese Fontäne soll den anderen Schiffen als Ziel dienen. D.h. Es wird auf dieses Ding geschossen. Weiterhin bedeutet dies, dass darauf geballert wird. Wenn die anderen schlecht zielen, dann haben wir schlechte Karten. Vielleicht kriegen wir dann eine Ladung aufs Dach und saufen ab.
Kommandantendurchsage: „Für die Nacht ist schweres Wetter angesagt. Zurzeit haben wir vom achtern aufbäumenden Wind.
Das Wetter ist wieder diesig, Sichtweite eine Meile. Um das Schiff seefester zu machen müssen wir die achtern Trimmzellen auffüllen. Für die Trimmung vorne werden sie nun die vorhandenen Bierfässer vom Vorschiff zum Achterschiff bringen. Fassen sie das Ganze als Übung unter beschwerten Bedingungen auf.“ Soweit die Durchsage.
Achtzehnter März 1976
Die See ist immer noch aufgewühlt. Schlafen war letzte Nacht nur mit Schwierigkeiten verbunden. Immer wenn man gerade eingeschlafen war, machte das Schiff einen Sprung von gefühlten zehn bis fünfzehn Meter in die Tiefe. Oder war es doch etwas weniger? Die sicherste Art bei so einem Wetter zu knacken ist mit dem Rücken an die Kojenwand, ein Bein anwinkeln, z.B. das rechte und mit dem linken Arm über den Kopf greifen. An der anderen Seite festhalten.
Im Moment schlingert der Kahn wie wild hin und her. Das Betreten des Oberdecks ist wieder verboten. Die Außentemperatur beträgt noch vier Grad. Morgen gegen dreizehn Uhr wollen wir in Halifax einlaufen. Bei unserer Reisegeschwindigkeit von sechs Knoten bezweifele ich das.
Neunzehnter März1976
Die See hat sich beruhigt. Strahlender Sonnenschein. Neun Grad Minus. Das ganze Schiff ist mit einer zwei Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Wir haben mehrere Stunden Eis abgeschlagen.
Am Horizont kann man Land sehen. Brauner Fels erhebt sich in Silhouetten vom Horizont ab. Um sechzehn Uhr fünf haben wir in Halifax festgemacht. Weil dieses Jahr hier in Kanada die olympischen Spiele stattfinden, soll mit den Leuten vom Verband der Stanavforland ein Schwimmwettbewerb durchgeführt werden.

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