“Fregatte

Kapitel 30 F225 Antennenkabel

Die Verlegung der Antenne für dieses Radio, dass wäre eine eigene Geschichte, erspar ich uns. Dieser Satz, ihr erinnert euch, ist in der vorigen Geschichte gefallen. Habe ich mir nun anders überlegt. Wie haben wir es geschafft, ein Antennenkabel nach 2ZII zu verlegen? Die ganze Aktion lief in einer Nachtschicht, also von Null bis vier Uhr morgens. Alle haben mitgemacht. Als erstes haben wir einmal die Lüfterkanäle ein wenig auseinandergeschraubt und dann ein Band eingezogen was oben beim Luftansaugschacht, der war übrigens bei den Decksaufbauten hinter dem 100 mm Turm, wieder rauskam. Antennenkabel angebunden wieder runterziehen bis ins Deck und versteckt verlegen. Anschluss ans Radio und fast fertig. Oben noch eine Miniantenne beim Luftansauchschacht für die allgemeine Luftversorgung angebracht. Ihr könnt euch vielleicht erinnern, die Luftansaugschächte für die Luftversorgung an Bord hatten bei Lufteintritt Lamellen, die nach unten zeigten. Unterhalb einer Lamelle haben wir diese Antenne angebracht,war professionell, nur es durfte ja niemand sehen. So hatten wir Radioempfang im Deck. Aber beim Klaubautermann, wie das denn so ist, unser STO (Schiffstechnischer Offizier) hatte eine Reinschiffabnahme abzunehmen. Es war Abends und da spielte natürlich auch gerade das Radio.
Er fragte, „wie kriegt ihr denn hier Radioempfang“? Es dauerte nicht lange, da hatte er das Radio mit dem Antennenanschluß gefunden. Unter seiner Aufsicht mussten wir das Antennenkabel sofort wieder deinstallieren. Denn, so seine Argumentation, „Wir sind ein Kriegsschiff, und eine Empfangsantenne kann auch als Sendeantenne verwendet werden. Ausbauen“!
Natürlich haben wir bei der Deinstallation darauf geachtet dass wir einen Tampen am unteren Ende wieder angebunden haben. Also, das Antennenkabel rausgezogen und gleichzeitig den Tampen wieder in den Lüftungskanälen nach oben gezogen. Für den STO war die Angelegenheit damit erledigt. Er hatte nicht mitbekommen, dass wir schon wieder eine Notinstallation vorbereitet hatten. In der nächsten Nachtschicht haben wir den Tampen unten im Deck wieder vorsichtig rausgezogen und oben oben wieder ein Antennenkabel angebunden und die ganze Anlage wieder in Betrieb genommen. Hat danach auch keiner mehr von den Vorgesetzten mitbekommen dass wir immer in Hafennähe Musikempfang hatten. Ich muss sagen das war eine richtig gelungene Aktion. Wahrscheinlich ist die verbotene Antennenleitung danach nie gefunden worden.

Kapitel 30 F225 Love to Love You Baby

Love to Love You Baby, technische Erklärung, nicht lessen, versteht keiner
1976 waren wir mit der Fregatte Braunschweig (F225) im Natoverband „Standing Navel Force Atlantic“, auf dem Atlantik unterwegs. Wir haben den Hit: „Love to Love You Baby“, von Donna Summer, noch einige Seemeilen vom amerikanischen Festland entfernt, schon über das Bordradio gehört. In der Langversion von ungefähr 18 Minuten. Die allgemeine Meinung bei uns im Deck (IIZ2) war, den Song müssen wir haben. Nur wie? An Land haben wir erst einmal eine Kassette von Love to Love You Baby (die Langversion) gekauft. Einer von uns hatte ein Stereo-Radio mit Kassetteneinschub im Deck, nicht sichtbar in einem Schuhspind eingebaut, denn es war verboten private Radios an Bord zu haben. (Die Verlegung der Antenne für dieses Radio, dass wäre eine eigene Geschichte, erspar ich uns). Anhören konnten wir „unseren“ Song nun schon mal. Nur wie kopieren? In unserem Deck haben wir dann noch zwei Monokassettenrecorder aufgetrieben, die auch illegal an Bord waren. Es wurde nun eine Verkabelung gebastelt, die so aussah: Vom Stereoradio wurde Kanal 1 auf Kassettenrecorder 1 umgeleitet und Kanal 2 auf Recorder 2. Bis hier ist das alles noch verständlich. Nur, wir wollten natürlich alle den Song in Stereo haben. Also, das ganze wieder rückwärts. Kanal 1 und 2 von den Monorecordern abspielen und mit dem Stereorecorder wieder gleichzeitig auf einer leeren Kassette aufnehmen. Diese Aktion hat auch funktioniert, Love to Love You Baby wurde für unser Empfinden sogar absolut verbessert. Das kam so: Für das Stereoradio hatten wir uns schon vorher vom Sannitätsbereich eine 230 Volt Wechselspannungsleitung gelegt, (es gab da einen Verteiler in der Nähe von unserem Deck, offiziell für unseren selbst gekauften Kühlschrank, mit 50 Hertz. Die Jungs hatten diese Spannung, weil die medizinischen Geräte nur mit 50 Hertz liefen. An Bord sind nämlich normalerweise 60 Hertz. Die beiden Monorecorder betrieben wir mit unserer Decksspannung von 115 Volt/ 60 Hertz. Durch die 60 Hertz sind die Monorecorder ungefähr 20% schneller gelaufen. Einer lief trotz der 60 Hertz vielleicht 15% schneller. Der sich einstellende Effekt war, Kanal 1 zeichnete normal auf, nur eben 20% schneller als der original Song und Kanal 2 wurde beim Abspielen von Kanal 1 überholt. Das klang super gut. Nach etlichen Stunden hatte jeder die „verbesserte“ Version auf seiner Kassette. Es wäre wohl einfacher gewesen, wenn wir uns alle eine Original-Kassette gekauft hätten. Leider ist meine Kassette irgendwann an Land in einer Pütz gelandet

Kapitel 29 F225 Letzter Job auf der Braunschweig

Die nächsten Wochen an Bord vergingen sehr schnell. Jan hatte seinen Jahresurlaub genommen. Dann waren noch zwei harmlose Tagesübungen auf der Nordsee zu absolvieren. Am letzten Tag seiner Marinezeit sollte das Schiff nach Bremerhaven fahren. Auf einer Werft war eine Grundüberholung eingeplant. Am Tag zuvor waren noch alle abgehenden Mannschafts-Dienstgrade zum Hauptgefreiten ernannt worden.

Der Hafen war schon in Sichtweite. Das Lotsenboot kam langsam an der Backbordseite heran. Jan freute sich, noch drei Stunden und dann endlich wieder Zivilist sein dürfen. In diesem Augenblick hatte das Lotsenboot einen kleinen Knutschunfall mit der Braunschweig. Dies hatte zur Folge, dass Wassereinbruch in Jans Deck kam. Nicht viel, aber genug, um Jan und seine Kameraden noch einmal aktiv werden zu lassen. Hier war nichts wie bei den Übungen, Leckpfropfen holen, in die Simultanleckstelle hauen und OK. Nein, wenn schon Wassereinbruch dann auch richtig. Da wo das Wasser rein kam, waren Schuhschränke vorgebaut. Blechschränke die am Schiffskörper fest genietet waren. „Beim Klabautermann, warum haben die da oben nicht aufgepasst? Da denkste du hast hier gleich Feierabend und dann son Schlamassel. Verdammt.“ Jan und seine Kameraden versuchten mit einer Brechstange die Schränke aus der Verankerung zu lösen. Als sie endlich Erfolg hatte und die Leckstelle freigelegt hatten kam Biggert ins Deck. „Lasst mal gut sein, wir sind schon im Dock. Die pumpen gleich das Wasser ab, dann sollen die Werftarbeiter das Loch flicken. Webau, das war dein letzter Job hier auf dem Schiff. Komm lass uns noch ein bisschen klönen. Wenn das Schiff gleich draußen trocken ist, bist du wieder Zivilist.“

               Zivilist, endlich. Mit zehn anderen erreichte Jan das Werfttor. Sie wollten alle schnell zum Bahnhof. Nur weg hier. Taxis warteten schon.

snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake snowflake