Kapitel 27 F225 Frischwasser lenzen

“Fregatte

Wilhelmshaven ,Samstag den 8. Mai 1976

11 Uhr auf Reede, Zollerklärungen. 13 Uhr 30 an der Muni-Pier festgemacht. Eltern sind zur Begrüßung gekommen. Der Schreiber hat Wochenendwache. Die Stanavforland 76 ist für die Besatzung der Braunschweig zu Ende.

Das war der letzte Eintrag im Tagebuch von Jan. Wie gerade erwähnt hatte er Wochenendwache. Mit einigen anderen Kameraden teilte er das Schicksal nach der langen Fahrt diesen Samstag und Sonntag nicht von Bord zu dürfen.

Ein Kapitänleutnant von einer anderen Fregatte hatte sich bereit erklärt den Job des Wachhabenden für diese Tage zu übernehmen. „Sie haben eine anstrengende Fahrt hinter sich, wir werden nur das nötigste an Bord erledigen. Montag können dann alle mit anfassen, das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen.“ Jan bekam die Aufgabe alle noch vorhandenen Frischwasserreserven in den Bach zu lenzen.

Ungefähr dreihundert Meter von der Fregatte entfernt waren einige Telefonzellen. (Für die jüngeren Leser: Telefonzellen, das waren die gelben Kästen im Hafen, wo man telefonieren konnte.) Jan hatte sich vom Kaleu die Erlaubnis für ein kurzes Telefonat geben lassen. „Du“, sein Vater war am anderen Ende der Leitung, “ ich muss ganz schnell beenden, ich glaube mein Dampfer kippt um.“ „Wie bitte?“ „Ich kann den Dampfer von hier sehen, er hat eine verdammte Schräglage bekommen. Tschüs.“ Im Laufschritt rannte er zur Fregatte zurück. Runter in den Maschinenraum. Der Kaleu kam ihm schon entgegen. „Herr Obergefreiter, sie haben das Schiff einseitig gelenzt. Dadurch ist diese Schräglage entstanden. Ich habe die Schieber auf der anderen Seite auch geöffnet, wir müssten gleich wieder Normallage bekommen.“ „Vielen Dank Herr Kaleu. Der von mir gemachte Fehler wird nicht mehr vorkommen.“ „Ist schon OK. Wenn sie das nächste Mal die Pumpen anschmeißen, dann achten sie darauf, dass sie das Schiff gleichmäßig entleeren. Sonst stimmt die ganze Trimmung nicht mehr.“ Das hätte auch ins Auge gehen können dachte Jan und freute sich über den toleranten Kaleu.

 

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