“Fregatte

Kapitel 14 F225 Frisör bekommt Berufsverbot

Zwei Minuten nach ein Uhr, am 6. Januar 1976 legte die Braunschweig zur Standing Navel Force Atlantic 1976 ab.

 

Ab nun haben wir das Glück, Jans Tagebuch manchmal in diese Geschichte mit ein zu beziehen, es wird dann kursiv geschrieben:

Siebenter Januar. Wir fahren mit fünfzehn Knoten. Gegen sechs Uhr sind wir auf Höhe Rotterdam. Gegen siebzehn Uhr soll Dover passiert werden. Ab dann gibt es wieder erhöhte Bordzulage. Morgen sollen wir auf die englische und holländische Fregatte stoßen. Einen Tag später sollen die Kanadier und Amis auch dazu kommen.

Am folgenden Montag erreichte der Schiffsverband gegen neun die Azoren. Draußen war schwere See und der kleine Hafen San Miguel trotzte dem Wetter in besonderer Weise. An einer zwanzig Meter hohen   natürlichen Hafenmauer aus Felsen brachen sich Seewärts die Atlantikwellen. Die Gischt wehte oben über weg und hüllte die Schiffe in einen künstlichen Nebel. Hier wurde noch einmal Kraftstoff übernommen. Landgang war hier für alle gestrichen. Nach sechs Stunden Hafenaufenthalt sollte es weiter Richtung Bermudas gehen. Jan und alle anderen drückten sich auf der Pier herum. Ein einheimischer Händler hatte die Situation sofort erkannt und stellte seinen fahrbaren Trödelladen auf. Man konnte von sauren Gurken über Shampoo und Dosenbier hier alles bekommen. Ein besonderer Service des Mannes bestand darin, Postkarten und Briefmarken zu verkaufen. Die Seeleute sollten die Karten beschreiben, er würde dann nach Kauf der Briefmarken dafür sorgen, dass sie abgeschickt werden. Jan erfuhr später von allen die gleiche Story. Keine einzige Postkarte war an ihrem Bestimmungsort angekommen. Der Händler hatte sie alle in den Müll geworfen. Als die Schiffe schon wieder auf dem Atlantik waren kam der nächste Betrug heraus. Alle hatten beim Trödler eine „echte, goldene Schweizer Uhr“ erstanden – mit Zertifikat. Sie zeigten sie stolz herum. Bald stellte sich heraus, dass es eine billige Imitation aus vergoldetem Aluminium war. Alle Uhren hatten die gleiche Seriennummer. Am nächsten Tag funktionierte keine mehr. Alle schworen, dem Händler eins auf die Fresse zu hauen, sollten sie jemals wieder hier her kommen.

 

Den ganzen Tag über hatten wir herrlichen Sonnenschein. Die Uhr wurde heute schon das dritte Mal um eine Stunde zurückgestellt. Tagsüber auf der Heizerwiese gesonnt, abends auf derselben den schon etwas südlicheren Sternenhimmel beobachtet. Wir fahren genau Richtung Westen. Kann man abends sehen, wenn die Sonne genau über der Bugflagge untergeht.

„Hier spricht der STO. Die gesamte Heizerei, Unteroffiziere und Mannschaften sofort zu einer Spezial Musterung auf dem Achterschiff erscheinen. Beeilung meine Herren. In Drei Minuten will ich sie sehen!“ Diese Lautsprecher-Durchsage brachte alle auf Trapp. Innerhalb der gesetzten Frist waren sie an Oberdeck. „ Meine Herren stehen sie locker. Ich habe ihnen etwas erzählen. Wie sie wissen haben wir hier an Bord einen sogenannten Bordfrisör.“ „Ja Herr Kaleu“ „Meine Herren, sie wissen, meine Haarpracht ist nicht mehr die meiste.“ „Ja Herr Kaleu.“ Ein allgemeines leises Gelächter setzte ein. „Sie sollen ja auch zu diesem Menschen gehen um sich ein wenig auf dem Kopf pflegen zu lassen.“ „Ja Herr Kaleu.“ „Sehen sie mich an.“ Der STO nahm seine Schirmmütze ab und das bis hierhin verhaltene Gelächter brach in ein schallendes Lachen aus. Überall am Kopf waren irgendwelche Zinken rein rasiert. Ohne es aus zu sprechen wussten alle, dass er ohne Mütze sich so die nächsten Wochen nicht mehr sehen lassen durfte.“ Meine Herren, sie sehen, dieser Frisör hat mich verschandelt. Absolut versaut hat der meine wenigen Haare. Sie brauchen ab sofort nicht mehr in dem seine Sprechstunde zu gehen. Ich will nicht, dass dieser Mensch ihnen die Haare schneidet. Sie brauchen auch demnächst an Land nicht zum Frisör zu gehen. Sie kennen alle die Sprache nicht und wenn sie da auch so einem Chaoten begegnen – mag ich gar nicht dran denken. Womöglich werden sie dann auch so verstümmelt. Also, noch einmal: Sie sind ab sofort vom Frisörbesuch bis Wilhelmshaven befreit. Und das sind noch einige Monate. Betrachten sie meine soeben gemachten Ausführungen als Befehl. Wegtreten.“ Der STO setzte seine Mütze wieder auf und seine Leute gingen grinsend und feixend wieder an ihre Arbeit.

 

Das Braunschweig Bierglas

Aufgrund der großen Nachfrage ist das Braunschweig Bierglas   wieder bestellbar.

Der Preis pro Glas beträgt weiterhin € 11,00. Die Versandkosten für ein Glas sind €4,50; ab 2 Gläser € 6,00.

Es besteht auch die Möglichkeit bestellte Biergläser beim nächsten Crewtreffen in Empfang zu nehmen.

Solltet ihr euch für eine Lieferung via DHL entscheiden,  kann es auch ewas länger dauern, da wir eine Mindestbestellmenge einhalten müßen.

Bitte nutzt das Bestellformular unter auf der Seite.

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Update: 26.05.2016: Wir haben Gläser bestellt, und warten nun auf den Zahlungseingang.

Sobald die Gläser und die Zahlung eingegangen sind werden die Gläser via DHL verschickt.













* Pflichtfeld

 

 

 

Kapitel 13 F225 Ab sofort Pantry

Das Schiff wurde in der Zeit nach Portland für die große Atlantikfahrt ausgerüstet. U.a. wurden etliche Fässer Becks in den verschiedenen Decks deponiert. An Kondomen sollte auch nicht gespart werden. Jan schätzte dreitausend Stück in den kleinen Kartons, welche von Mann zu Mann weitergereicht wurden um dann im Sanbereich zu verschwinden.

Am fünften Januar 1976 hatte Jan, wie schon erwähnt, Ausgang bis zum Wecken. Die Silberhochzeit seiner Tante Ingeborg und seines Onkels Herrmann waren angesagt. Einen Tag später war Abfahrttag der Fregatte. Jan feierte wie noch nie zuvor in seinem Leben. Im Nacken immer den Countdown der Abfahrtszeit.

Jans Vater brachte ihn morgens gegen halb fünf zum Bahnhof. Er wünschte ihm noch alles Gute, dann fuhr der Zug auch schon los. Die Fahrkarte auf den Bauch gelegt und schlafen, nur noch schlafen. Der Zug fuhr direkt nach Wilhelmshaven. „Du musse aussteigen. nix mehr schlafen. Will saubermachen. Los aufstehen, Du.“ Mit diesen Worten wurde er unsanft aus seinen schönsten Träumen geweckt. Der braungebrannte Mann einer Reinigungskolonne schaute ihm ins Gesicht. Der ganze Zug stand schon auf dem Abstellgleis in Wilhelmshaven, fernab von jedem Bahnsteig.

Mit großer Mühe fand Jan den Weg zu einem Taxi. „Bringen sie mich bitte direkt zur Braunschweig.“ „Unmöglich, die lassen mich mit meinem Taxi nicht ins Arsenal.“ „Zwanzig Mark extra wenn sie mich zum Schiff bringen.“.. „So, aussteigen junger Mann. Wir sind an ihrer Fregatte.“ Jan bezahlte und sah verdammt viele Kameraden auf dem Schiff stehen. „Na Webau, einen über den Durst gesoffen was? Sehen sie zu, dass sie sie Ihre Dienstklamotten ankriegen. Dann melden sie sich in der Bootsmanspantry.“

karl heinzBiggerts Worte klangen wie Kanonenschläge in den Ohren. Verfluchte Scheiße, dachte Jan. Nun hatten sie ihn für diesen Pantry Dienst aus gekuckt. Dieser Dienst beinhaltete das bedienen der Bootsleute. Man sorgte für das Frühstück, Mittagessen, und Abendbrot. Zwischendurch war man natürlich auch noch der Steward für diese Bagage. Bier ran schleppen, Kombüse der Bootsmesse und diese selbst sauber halten. Einen Vorteil hatte dieser Dienst. Man war von den allgemeinen Wachdiensten befreit. Die vier Wochen werde ich schon rumkriegen ging es Jan durch den Kopf als er sich in der Messe meldete.

 

Kapitel 12 F225 Rückfahrt nach Schlicktown

Die letzte Woche in Portland verging sehr schnell. Es wurden noch einige abschließende Manöver gefahren, mit dem Resultat dass die englischen Checker sehr zufrieden waren. Am späten Donnerstagnachmittag kamen folgende Befehle über den Bordlautsprecher: „Turbinenmeister mit Beeilung an die Turbinen. Turbinen startklar machen. Befehl an Maschine: Volle Fahrt voraus. Unsere Zeit in England ist vorbei und wir wollen schnell nach Wilhelmshaven zurück, zu Mutti.“ Diese Durchsage des Kapitäns löste einen allgemeinen Freudentaumel aus. Die Schrauben fingen an zu drehen und waren innerhalb weniger Minuten auf Höchstgeschwindigkeit. Die Turbinen waren inzwischen auch hochgefahren und wurden zur Antriebsverstärkung zu geschaltet. Diese Rückfahrt kostete richtig Steuergelder. Einige zehntausend Liter Diesel wurden pro Stunde verheizt. In Jans Deck (II Z2) war in dieser Nacht an Schlaf nicht zu denken. Da sich die Schrauben direkt darunter befanden war ein ohrenbetäubender Lärm hier die Folge von den schnellen Schraubendrehungen. Wer sich trotzdem ein wenig hinlegte, musste sich mit beiden Händen an der Kojenreling links und rechts festhalten um nicht durch die Vibrationen herausgeschüttelt zu werden. Mit den Füßen wurde das gleiche Manöver versucht.

Auf der Höhe von Norderney wurde das „Rennboot Braunschweig“ wieder zum normal fahrenden Schiff.
„Meine Herren, in zwei Stunden kommt die schwarze Gang vom Zoll an Bord. Füllen sie bitte die ihnen ausgehändigte Zollerklärung aus. Wenn sie etwas einführen was den Zollbestimmungen unterliegt, dann melden sie das. Und verstecken sie nichts Illegales. Die Schwarzen finden alles. Es ist übrigens Dienstfrei bis Montag für alle wachfreien wenn das Schiff alle Landanschlüsse hat. Sollten sie noch nach Hause fahren, dann seien sie vorsichtig. Im Wetterbericht haben wir gerade gehört, dass die Straßen vereist sein sollen.“ Nach dieser Durchsage konnte natürlich niemand mehr schlafen. Die Zollerklärungen wurden ausgefüllt und wirkliche Zollware an den bekannten Verstecken unter den Flurplatten deponiert. In diesem Fall war das meist in England gekaufter schottischer Whisky. Die Zollbeamten kamen an Bord, sammelten die Erklärungen ein, wünschten eine gute Heimreise und waren nach einer halben Stunde wieder mit ihrem Zollkreuzer verschwunden.

Als die Braunschweig an den Leinen hing dauerte es noch fünfzehn Minuten und alle Wasser. – Telefon. – und Stromleitungen waren angeschlossen. Normalerweise hatten die Elektriker an Bord dies zu machen. In dieser Nacht war es anders. Jeder, aber wirklich jeder packte mit an und zog die teilweise dicken Leitungen zu den jeweiligen Übergabestellen.
Gegen vier Uhr war Jan dann auch im heimischen Bett.

Weihnachten und Silvester 1975 vergingen ohne nennenswerte Ereignisse.

Kapitel 11 Bilgepumpe tauschen

Die „Bloody Polly“, so hieß der Kutter, lag an der beschriebenen Stelle. Er musste früher einmal ein großer Fischkutter gewesen sein. Am Mast war noch die Haltevorrichtung für die Backbord – und Steuerbord Netze zu erkennen. Ein auf Pappe geschriebener Text an der Reling deutete darauf hin, dass an diesem Tag keine Touristenfahrten stattfinden würden. Überall an Oberdeck waren Bänke aufgestellt. Jan schätzte, dass wohl siebzig Personen befördert werden könnten. „Hallo Jan, wie geht es dir? Ich freue mich das du mich besuchst.“ „ Mir geht es gut, ich freue mich dich zu sehen.“ “Wir können heute nicht rausfahren. Irgendein Kutter hat mein Schiff letzte Nacht beim Anlegen gerammt. Es ist sehr viel Wasser in den Maschinenraum geschwappt. Zum Glück ist mein Schiff nicht unter gegangen. Würdest du mir helfen das Wasser aus dem Schiff zu kriegen?“ „Klar, kein Problem. Hast du eine Pumpe an Bord?“ „Nur eine kleine, damit ich zum Deck abspritzen Wasser aus der See holen kann. Wenn wir die anschließen, dann brauchen wir ein paar Tage zum Abpumpen.“ Jan überlegte. Eine tragbare Pumpe von Bord holen würde wahrscheinlich Probleme mit dem IO geben. „ Du Polly, ruf doch die Feuerwehr an. Die haben doch bestimmt die Möglichkeit das Wasser ab zu pumpen.“ Gesagt, getan. Der gerade geschilderte Dialog ging natürlich sehr viel langsamer wie man sich denken kann. Polly konnte kein Wort Deutsch und Jan fast nur englisch aus seinem Touristenwörterbuch. Nach der Schule hatte er nie Gelegenheit gehabt sich mit Engländern zu unterhalten.

Als die Feuerwehr eintraf hatten die beiden schon etliche Eimer Wasser aus dem Kutterinneren geholt. Der Rest war dann eine Sache von einer viertel Stunde. Die Hochleistungspumpe der Wehr schaffte achthundert Liter in der Minute.“ Sehen sie zu, dass sie ihr Schiff nach Weymouth in den Hafen bringen. Das Loch sollte geschlossen werden. Noch eine Nacht hier an der Seeseite und du säufst vielleicht ganz ab.“ Mit diesen Worten stieg der Leiter der Feuerwehr wieder zu seinen Kollegen in den Einsatzwagen.

„Während ich langsam Richtung Weymouth fahre, könntest du schon einmal die Bilge-Pumpe tauschen. Die alte hat einen nicht zu reparierenden Schaden. Würdest du das für mich machen?“ Eigentlich hatte sich Jan den Tag etwas anders vorgestellt. Vielleicht erst mit Polly frühstücken, dann ein wenig die Küste von See her anschauen. Nun saß er eingepfercht zwischen Rohren unterhalb der Flurplatten in der stinkenden Bilge und mühte sich ab die an gegammelten Schrauben dieser verdammten Bilge-Pumpe zu lösen. Polly hatte ihm noch einen Overall gegeben und war dann auf der Brücke verschwunden. „Scheiße, wieso muss ich immer solche Aufträge annehmen“, schimpfte er mit sich selbst. „Na, wenigstens das Werkzeug ist auf diesem Kahn in Ordnung.“ Die Elektrik der Pumpe war oberhalb der Flurplatten steckbar und so brauchte er nur das Kabel der alten Pumpe an die neue anschließen. Die neue Pumpe passte wie angegossen mit ihrem Flansch und den Rohranschlüssen auf die Pumpenkonsole. Als er total verschwitzt seinen Erfolg bei Polly meldete hatte diese gerade einen Poller an der Pier erreicht. „Wenn du schon einmal hier oben bist, dann mach noch eben die Leinen fest. Danach darfst du duschen.“ Wo bin ich hier nur gelandet, dachte Jan mal wieder und schmiss die Leinen über den Poller.